Operationsplan Bonn

Sicherheit & Wirtschaft

Wirtschaftstalk BONN
22.04.2026 - 19:00 Uhr, Kammermusiksaal Beethoven-Haus Bonn

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Sascha Franz, Prof. Dr. Hubertus Bardt, Dr. Helge Matthiesen (Moderation), Don Besong, Dr. Hubertus Hille

Diskussion zum Thema

Vielen Dank an unser Podium beim 66. #Wirtschaftstalk BONN über Sicherheit & Wirtschaft: Operationsplan Bonn am 22. April 2026. Moderator Dr. Helge Matthiesen, Chefredakteur des General-Anzeiger Bonn, beleuchtete die wirtschaftliche und die gesamtgesellschaftliche Relevanz des Themas mit Sascha Franz, dem Sprecher der Geschäftsführung von HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH, Prof. Dr. Hubertus Bardt, dem wissenschaftlichen Geschäftsführer des Institut der deutschen Wirtschaft, Dr. Hubertus Hille, dem Hauptgeschäftsführer der IHK Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, sowie Don Besong, der im neu geschaffenen Bereich Defense der T-Systems International GmbH entsprechende Kräfte bündeln soll.

Klar wird schnell eines: Der Operationsplan Deutschland, wird nicht als Verteidigung-as-a-Service funktionieren, so Don Besong, sondern erfordert Bewusstsein und Einsatzbereitschaft aller gesellschaftlichen Gruppen. Skandinavische Länder seien da schon weiter, erläutert Hubertus Bardt, "da wissen viel mehr Leute, was im kritischen Fall ihre Rolle ist." Sprich: Ihnen ist überhaupt klar, dass jeder einzelne eine Rolle zu spielen hat. Der Dialog beginnt in Deutschland gerade erst (wieder) und ist Barth nicht konkret genug.

Wie kann man die Wirtschaft mobilisieren? Seit etwa einem Jahr sei die Bundeswehr auf die IHK zugegangen, um einen Dialog mit der Wirtschaft in Gang zu bringen, berichtet Hubertus Hille, "aber die Bundeswehr weiht uns natürlich nicht in alle Geheimnisse ein." Die Verteidigungswirtschaft ist zurzeit die einzige Industrie, die wächst, wobei man aber bedenken muss, dass diese "insgesamt kleiner ist als VW", so Bardt. Von 1989 bis 2018/19 habe man Strukturen abgebaut, erläutert Sascha Franz, jetzt gehe es vor allem darum, Prozesse zu ändern, zum Beispiel Altersgrenzen zu überdenken. Für den notwendigen "großen Aufwuchs der Reserve" seien Revitalisierung und Motivation nicht ganz einfach, ergänzt Hubertus Hille, selbst Reserveoffizier. Don Besong gibt zu bedenken, dass es damit nicht getan ist: "Das Personal braucht auch Übung am Material.“

Und wie steht es mit der Resilienz? "Die Fähigkeit des Systems muss erhalten bleiben" nennt Besong als Ziel. Redundanz von Systemen, Dezentralisierung sind hier die wichtigen Faktoren: "Man muss weitermachen können, auch wenn man gestört wurde." Hier könne man viel von der Ukraine lernen: Hubertus Bardt hebt deren "unglaubliche Innovationsfähigkeit" hervor, denn: "Der nächste Krieg ist immer anders als der letzte.“ Und das kann die Bundeswehr, das kann der Staat nicht allein leisten. Es mangelt an klarer Kommunikation über die Zumutungen, die auf die Bürger zukommen. Resilienz bedeutet am Ende, als Gesellschaft vorbereitet zu sein, um Angriffe erst gar nicht attraktiv zu machen.

Einführung in das Thema

Im Juni 2023 wurde die Nationale Sicherheitsstrategie Deutschlands von der Bundesregierung im Kabinett beschlossen. Die Strategie beruht auf drei Dimensionen von Sicherheit: Wehrhaftigkeit (Verteidigung und Bündnisfähigkeit), Resilienz (innere Stärke der Gesellschaft, Schutz der demokratischen Ordnung, Cybersicherheit) und Nachhaltigkeit (Schutz der Lebensgrundlagen, Klimaschutz).

Der Operationsplan Deutschland stellt die konkrete operativ-planerische Umsetzung dieser Strategie im Bereich der Landes- und Bündnisverteidigung dar. Er beschreibt, wie die Bundesrepublik Deutschland im Spannungs- und Verteidigungsfall handlungsfähig bleibt und regelt die koordinierte Zusammenarbeit von Bundeswehr, staatlichen Stellen, Wirtschaft und Gesellschaft, um die Verteidigung, Versorgung und den Schutz kritischer Infrastruktur sicherzustellen. Er konkretisiert das Zusammenwirken von militärischen und zivilen Kräften entlang der Eskalationsstufen Frieden, hybride Bedrohung, Krise und Krieg.

Vorgesehen ist eine starke Einbindung der Wirtschaft, speziell der mittelständischen Unternehmen, die für die Versorgung und Sicherung kritischer Infrastruktur essenziell sind. Die private Wirtschaft soll im Krisen- oder Verteidigungsfall ihre Ressourcen, Netzwerke und Kompetenzen zur Unterstützung der Bundeswehr und des Staates bereitstellen. Das betrifft besonders Branchen wie Energieversorger, Logistikunternehmen und Industriepartner, die verlässliche und flexible Dienste liefern müssen, um die militärischen und zivilen Abläufe aufrechtzuerhalten.

Sowohl die Hardthöhe als auch das BSI machen Bonn zu einem der wichtigsten deutschen Zentren für Verteidigung, Krisenmanagement und Cybersicherheit: Laut Zielbild der Bundeswehr übernimmt der Stab auf der Bonner Hardthöhe mit hunderten Angehörigen Führungsaufgaben für den gesamten Verteidigungsverbund, insbesondere im Bereich der Koordination militärischer und ziviler Kräfte im Einsatz- und Krisenfall. Die dortigen Strukturen sollen zur zentralen Einsatzsteuerung und zur schnellen Krisenreaktion genutzt werden, unter anderem für die logistische Koordination der Bündnispartner (Host Nation Support), die Bereitstellung von Durchgangsstationen und Koordinationszentren für den Truppentransport (Drehscheibe Deutschland). In Krisen- und Verteidigungsfällen können operative Führungsaufgaben und die Kommunikation mit Bundeswehr, Behörden, NATO-Partnern und lokalen Unternehmen über die Hardthöhe laufen, was sie zu einem strategischen Knotenpunkt macht und zugleich ihre Schutzpriorität als Teil der kritischen Infrastruktur erhöht - sie würde in Szenarien von hybrider Bedrohung und direktem Angriff besonders geschützt und isoliert werden.

Da gerade im Krisen- und Kriegsfall massive digitale Angriffe auf Deutschlands Infrastruktur erwartet werden, hat das BSI zentrale Bedeutung. Das Bundesamt sorgt auf nationaler Ebene für die Cyber- und IT-Sicherheit der gesamten kritischen Infrastruktur - also Energieversorgung, Logistik, Verwaltung, Kommunikation und Industrie. Im Ernstfall steuert es die IT-Sicherheitskooperation zwischen Bund, Ländern, Wirtschaft und der Bundeswehr, berät und koordiniert die Abwehr von Cyberangriffen und gibt Warnungen und Handlungsempfehlungen an alle relevanten Akteure weiter.

Für alle Unternehmen mit systemischer Relevanz gilt: Im Krisenfall, etwa bei einem NATO-Bündnisfall oder hybriden Bedrohungen, sind sie verpflichtet, zivile Unterstützung für die Streitkräfte zu leisten. Dies kann Einfluss auf die Personalplanung haben, da Beschäftigte einberufen oder für zivile Unterstützungsleistungen herangezogen werden können.

#WTNRW #WTB66

Die Diskussionsrunde:

Sascha Franz

Sascha Franz
Sprecher der Geschäftsführung von HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH

Prof. Dr. Hubertus Bardt

Prof. Dr. Hubertus Bardt
Geschäftsführer & Leiter Wissenschaft des Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Don Besong

Don Besong
Director Defense (Commercial) der T-Systems International GmbH

Dr. Hubertus Hille

Dr. Hubertus Hille
Hauptgeschäftsführer der IHK Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg

Dr. Helge Matthiesen

Moderation:
Dr. Helge Matthiesen
Chefredakteur
General-Anzeiger Bonn


Ideeller Träger
Sparkasse KölnBonn Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg
Unterstützer
Rhein-Sieg-Kreis