Bürger für Bonn

Engagement der Wirtschaft in der Gesellschaft

Wirtschaftstalk BONN
18.11.2025 - 19:00 Uhr, Kammermusiksaal Beethoven-Haus Bonn

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Cemile Giousouf, Stefan Hagen, Christian David (Moderation), Dr. Andreas Dartsch, Johannes Zurnieden

Diskussion zum Thema

Ehrenamtliches Engagement ist ein fundamentales Element unserer Gesellschaft und von höchstem Wert. Sein volkswirtschaftlicher Nutzen liegt in Deutschland laut einer Schätzung bei bis zu 140 Milliarden Euro jährlich. Dabei hat dieser Wert sehr viele Aspekte, wie sich im Verlauf der Diskussionsrunde zeigte.

In Bonn bringen sich etwa 40% der über 18-Jährigen ehrenamtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein und machen dadurch unseren Alltag besser, meinte Cemile Giousouf und nannte als ein Beispiel die ehrenamtlich betriebenen Stadtteilbibliotheken. Stefan Hagen verwies ebenfalls auf die breite Palette des Engagements, die allein im IHK-Kontext von 2.000 Prüfern in den Ausbildungsberufen über Trikots für Sportvereine bis zum Sponsoring für kulturelle Veranstaltungen reicht.

Auch die Sparkasse KölnBonn investiert massiv in Kultur, Bildung und Soziales. Die Spannbreite reicht von Stiftungsarbeit bis zum lokalen Sozialprojekt. Dr. Andreas Dartsch berichtete, dass im vergangenen Jahr über 4.000 Projekte unterstützt wurden. Entscheidende Kriterien für die Förderung sind immer der Regionalbezug, die Wirkung und die Breite, was auch dem öffentlichen Auftrag des Instituts entspricht, dem Gemeinwohl zu dienen. Die großen Spendenaktionen, etwa über Phoenix Reisen, für Hilfswerke wie MISEREOR von Johannes Zurnieden sind hinlänglich bekannt. Er betrachtet gesellschaftliches Engagement als große Selbstverständlichkeit.

Alle Diskutanten sehen die größte Bedeutung ehrenamtlichen Engagements für die Gesellschaft in ihrer Funktion als „Klebstoff“, der viele zusammenbringt und vieles zusammenhält - nicht zuletzt die Demokratie. Denn in diesen Zusammenhängen kommen Menschen zusammen und treten miteinander in den Dialog, die sich ansonsten nicht begegnen würden.

Christian David fragte, ob die Leistung der Ehrenamtler staatlicherseits ausreichend gewürdigt wird. Die Meinung in der Diskussionsrunde war, dass sich niemand aus dem Grund engagiert, weil er dann die Chance hat, am Tag des Ehrenamtes eine Auszeichnung durch den Bundespräsidenten zu erhalten. Wichtig sei ein solcher Tag, um das Ehrenamt in der Öffentlichkeit bewusst zu machen und damit ein Initialzünder für andere zu sein. Die Ehrenamtler bräuchten diese Auszeichnung sicherlich nicht, weil sie aus innerem Antrieb handeln.

Was aber motiviert Unternehmen, sich gesellschaftlich zu engagieren? Ist es Pflichtgefühl, Strategie, moralischer Druck, die Tatsache, dass Mitarbeitende immer häufiger fordern, dass ihr Unternehmen Verantwortung übernimmt? Alle zeigten sich überzeugt, dass es die unterschiedlichsten Beweggründe geben und es in den meisten Fällen eine Bündelung mehrerer Motive sein wird. Sie legten aber besonderes Gewicht auf den Lohn, den sie dafür erhalten: das Erleben von Selbstwirksamkeit, von Identität und Wir-Gefühl, persönliche Freude und Erfüllung.

Einführung in das Thema

Das bürgerschaftliche Engagement in Bonn ist geprägt von einer außergewöhnlichen Vielfalt – und die Wirtschaft spielt dabei eine immer bedeutendere Rolle. Bürgerschaft und Unternehmen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, fördern soziale Projekte und gestalten das Gemeinwesen aktiv mit.

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg ist ein gutes Beispiel dafür: Unternehmerinnen und Unternehmer bringen sich ehrenamtlich in der Vollversammlung, Ausschüssen oder Arbeitskreisen ein. Hier geht es nicht nur um die Interessen der Wirtschaft, sondern auch um das Gemeinwohl. Die Wirtschaftsjunioren Bonn/Rhein-Sieg etablieren Plattformen zum Lernen und Austauschen – mit Projekten wie „Ein Tag Azubi“, das benachteiligten Jugendlichen dabei hilft, Ausbildungsberufe kennenzulernen und Integration zu fördern. Dabei wird für ehrenamtliches Engagement geworben und das Bewusstsein für die Bedeutung sozialer Verantwortung gestärkt.

Die Sparkasse KölnBonn investiert jährlich Millionenbeträge in soziale, kulturelle und Bildungsprojekte und unterstützt mit ihrer Spendenplattform „Hier mit Herz“ Vereine und Initiativen in Bonn, wodurch zahlreiche Herzensprojekte direkt gefördert werden.
Unternehmen wie Knauber engagieren sich gezielt für die Region, indem sie Kunst, Kultur, Bildung und soziale Projekte fördern. So werden etwa Kulturveranstaltungen klimaneutral gestaltet, digitale Innovationen durch den „Digital Hub“ vorangetrieben und die Infrastruktur im Gesundheitsbereich unterstützt. Ihr Motto: „Gemeinsam schaffen wir mehr“. Diese Haltung trägt dazu bei, die Lebensqualität in Bonn nachhaltig zu stärken und das Gemeinwohl zu fördern.

Auch im Bereich Nachhaltigkeit gibt es starke Unternehmensinitiativen. Der „Bonner Nachhaltigkeitshub“ bringt die Wirtschaft mit Akteuren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um Lösungen für ein klimagerechteres und sozialeres Bonn zu entwickeln. Das Ziel: regionale und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen sowie eine Bewusstseinsänderung im Umgang mit Konsum und Ökologie.

Viele Unternehmen in Bonn beteiligen sich an Aktionen wie dem „Marktplatz Gute Geschäfte“. An diesem Event, veranstaltet von der IHK, vereinbaren Unternehmen und gemeinnützige Organisationen gemeinsame Projekte – ganz ohne monetäre Gegenleistung. Statt Geld fließen Sachleistungen, Know-how oder Zeit in soziale Projekte und die Organisationen revanchieren sich durch kleine Gesten oder Öffentlichkeitsarbeit. So profitieren alle Beteiligten: Organisationen werden entlastet, Unternehmen gewinnen Renommée und die Gesellschaft profitiert von wirkungsvollem Engagement.

Die Bürgerstiftung Bonn vereint das Engagement von Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen, um Projekte zur Förderung des Gemeinwohls zu initiieren und zu begleiten. Die Stiftung sieht sich als Nukleus der lokalen Zivilgesellschaft und bietet Unternehmen eine Plattform, gesellschaftlich mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen.

Gesellschaftliches Engagement der Wirtschaft ist eine zentrale Säule gelebter Bürgerschaft. Unternehmen, die sich für soziale, kulturelle und nachhaltige Projekte starkmachen, sind Wegbereiter für eine Gemeinschaft, die Zukunft aktiv gestaltet. Sie zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gehen – und dass bürgerschaftliches Engagement ohne die Beteiligung der Wirtschaft kaum denkbar wäre.

#WTNRW #WTB64

Die Diskussionsrunde:

Stefan Hagen

Stefan Hagen
Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg und Mitglied des DIHK-Präsidiums

Cemile Giousouf

Cemile Giousouf
Stellvertretung der Behördenleitung der bpb Bundeszentrale für politische Bildung

Johannes Zurnieden

Johannes Zurnieden
Geschäftsführer der Phoenix Reisen und Gründungsmitglied des MISEREOR Unternehmerforums

Dr. Andreas Dartsch

Dr. Andreas Dartsch
Vorsitzender des Vorstands der Stiftung August Macke Haus der Sparkasse in Bonn

Christian David

Moderation:
Christian David
Moderator, Reporter und Medientrainer


Ideeller Träger
Sparkasse KölnBonn Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg
Unterstützer
Rhein-Sieg-Kreis