Nach dem Brückenschock - Wie die Region Mobilität und Erreichbarkeit sichert
Die Verkehrssituation in Bonn und der Region ist seit langem ein Thema. Die Meinung, dass wir eine klimafreundlichere Mobilität und damit eine Stärkung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes - sprich: Fußgänger*innen, Radfahrende und ÖPNV - brauchen, wird von den meisten geteilt. Mit der Umsetzung geht eine Umverteilung öffentlicher Flächen einher - innerhalb der bestehenden Strukturen, zwangsläufig mit erheblichen Einschränkungen für den Autoverkehr.
Der floss bereits vor der Umsetzung von "Verkehrswende-Maßnahmen" an vielen Stellen in Bonn eher zäh, was durch die Einrichtung von Umweltspuren und Radwegen auf Flächen, die bislang Autos zur Verfügung standen, noch verschärft wird - ein Thema, das die Gemüter bewegt(e) und sicherlich von ausschlaggebender Bedeutung bei der letztjährigen Kommunalwahl war.
Ebenfalls seit langem gibt es von wirtschaftspolitischer Seite, um den Verkehrsfluss zu verbessern und die Erreichbarkeit der Gewerbestandorte zu erhalten, die Forderung, geplante Straßenverkehrsprojekte - wie sechsstreifiger Ausbau der A 565 zwischen Bonn-Hardtberg und Friedrich-Ebert-Brücke, Verbindung der A 565 mit der A 3 durch die Südtangente und zügige Sanierung der Nordbrücke - umzusetzen.
Daneben existieren bundes- und landesweit Pläne, mit deren Umsetzung mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden soll, was kurz- und mittelfristig zu weiteren Einschränkungen und Baustellen führen wird.
Wenn dann noch etwas Ungeplantes wie die Sperrung der Nordbrücke dazu kommt, sind die Auswirkungen katastrophal. Waren seit der Sperrung der Nordbrücke noch viele Pendlerinnen und Pendler auf die Bahn ausgewichen, ist dies aktuell nur stark eingeschränkt möglich. Wegen Bauarbeiten halten die Züge zwischen dem 2. und 10. Juli nicht mehr an den Haltestellen Köln Hbf, Bonn, Remagen und Andernach und entfallen mehrere Regionalbahnen gänzlich.
Ab dem 10. Juli bis 12. Dezember 2026 ist dann die Korridorsanierung der rechtsrheinischen Verbindung geplant. Im Januar 2028 beginnt die Streckensanierung auf der linksrheinischen Seite. Dann fahren fast zwei Jahre lang keine Züge zwischen Köln und Bonn. Umso wichtiger wird dann wiederum die Befahrbarkeit der Nordbrücke sein, was frühestens Ende 2028 der Fall sein wird. So lange wird die Erneuerung der vorgelagerten Vorlandbrücke dauern.
Die Stadtverwaltung prüft, welche geplanten Baumaßnahmen verschoben werden können, um zusätzliche Belastungen auf den innerstädtischen Hauptverkehrsachsen zu vermeiden. Verschiebungen sind aber nicht immer möglich. Ein Beispiel dafür ist die Erneuerung der technischen Anlagen im Tunnel Bad Godesberg. Diese Arbeiten, die bis zusätzliche Belastungen für den Verkehr mit sich bringen und voraussichtlich bis Mai 2027 andauern werden, sind notwendig, um größere Risiken zu verhindern. Ein Ausfall der Tunnelsysteme hätte eine komplette Sperrung des Straßentunnels zur Folge.
Für alle sind die Auswirkungen der Brückensperrung spürbar, für die Wirtschaft kann sie teuer werden. Die Industrie- und Handelskammer NRW geht davon aus, dass dadurch ein Schaden von mehr als einer Million Euro pro Tag entsteht. "Der kurzfristige Effekt ist: Alle stehen im Stau und müssen erhebliche Umwege fahren", sagt Ocke Hamann, Verkehrsexperte der IHK NRW. Doch auch langfristig könnten Brückensperrungen zu einem erheblichen Standort-Nachteil für Unternehmen werden. "Das hat Einfluss auf die Investitionen. Wenn Firmen mehrere Standorte haben, expandieren sie woanders."
Auch der ADAC Nordrhein spricht von einer "Vollkatastrophe für die Region". 2025 hatte der ADAC in einer Modellstudie die Sperrung der Nordbrücke simuliert. Demnach müssen Pkw pro Jahr Umwege von insgesamt 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen, Lkw von 5,5 Millionen Kilometern und würde sich der volkswirtschaftliche Schaden jährlich auf mehr als 170 Millionen Euro belaufen.
Bleibt Bonn und der Region noch eine andere Möglichkeit, als sich darauf einzustellen, mit dieser verschärften Verkehrssituation auch die nächsten 10 Jahre leben zu müssen?
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